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Wolgast – kleine Stadt mit viel Geschichte

Im Jahr 2007 hatte Wolgast, Stadt am Peenestrom und Tor zur Insel Usedom, Grund zum Feiern. Auf eine 750-jährige, turbulente Geschichte konnte sie zurück blicken. Hier wurde 1777 der Maler Philipp Otto Runge geboren, der als Begründer der Romantischen Kunst in Deutschland gilt. Hier sind in der Greifen-Kapelle der St.- Petri-Kirche die letzten Fürsten bestattet, die einst von der Wolgaster Schlossinsel aus Pommern regierten. Hier prägt die Peene-Werft mit ihren etwa 800 Beschäftigten das wirtschaftliche Leben und halten im Sommer Tausende Usedomer Touristen in der mittelalterlichen Innenstadt Ausschau nach ihren Highlights. Einen interessanten Überblick über die Stadt erhält man vom Turm der St. Petri Kirche. Von hier oben zeigt sich die Stadt umgeben von viel Grün, Wasser, sanierte Gebäuden, Hafenanlagen sowie Großindustrie- und Gewerbegebieten.


Wolgasts Gründung geht auf die Besiedlung durch slawische Völkerstämme zurück, die im 6./7. Jh. hier zu Hause waren. Die günstige Lage des Fleckchens an einem Fluss, der ins Meer mündet, war geradezu ideal. Die Wasserstrassen – sozusagen die Autobahnen von einst – beförderten den Handel und damit die Entwicklung der Stadt Wolgast. Nach und nach kamen deutsche Siedler ins Land. Der Streit der Großmächte Polen, Dänemark und Deutschland um die südliche Ostseeküste begleitete das 10. und 11. Jahrhundert.


Erst mit der Christianisierung durch Otto von Bamberg wurde dieses slawische Land zum deutschen Herzogtum erklärt. Nur an drei Orten weilte der Bischof 1128 während seiner zweiten Missionsreise durch Pommern: In Gütskow, einer kleinen Grafschaft; in Usedom, der Stadt, die mit dem Sagen umwogenden Vineta gemeint ist, und in Wolgast. Hier in Wolgast wurde die erste christliche Kirche, ein hölzener Vorgängerbau der heutigen St.-Petri-Kirche, errichtet. Um 1257 wird aus dem Siedlungsfleck eine deutsche Stadt mit slawischen Vorstädten.

1295 dann erkoren die Herzöge von Pommern die Insel im Peenestrom als geeigneten Ort für den Bau ihres Residenzhauses. Von hier aus wurde fortan die pommersche Politik mitbestimmt, war dies der Ort für Kultur und Kunst und konnte von hier aus über Jahrhunderte den in die Ostsee auslaufenden Schiffen der Fürstenzoll abgenommen werden. Bis 1747 war dies die einzige Möglichkeit, per Schiff von der Oder die Ostsee zu erreichen.


Die Herzöge, die bis 1625 auf der Schlossinsel residierten, ließen hier eines der schönsten Renaissance-Schlösser im norddeutschen Gebiet errichten. Aus der Zeit der Reformation 1535 sind die schönsten Zeugnisse dieses Wolgaster Herzoghauses überliefert. Nämlich der etwa 7x4 m große Croyteppich, heute im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald zu sehen, die 36-zeilige Gutenbergbibel und vieles mehr.


Das Schloss existiert heute nicht mehr. Es wurde 1628 durch die Dänen, anschließend von den kaiserlichen Truppen und schließlich durch die Schweden geplündert. Dann 1675 durch brandenburgische Truppen zur Ruine geschossen, um 1840 gänzlich von der Bildfläche zu verschwinden. Und welch ein weiteres Unglück für das Adelsgeschlecht: Am Beginn des 17. Jh. waren die Wolgaster Fürsten ohne männliche Erben verstorben.

Das Land fiel Ende des 30-jährigen Krieges offiziell an Schweden. Der Wolgaster Teil bis zur Peene im Süden - nicht zu verwechseln mit dem Peenestrom an dessen Ufern die Stadt liegt - und Usedom im Osten blieb bis 1815 beim nordischen Nachbarn.

Die schwersten Tage erlebte Wolgast unter der Herrschaft der schwedischen Könige. Die ständigen Kriege um die Vormacht in der Ostsee – dem 30-jähirgen Krieg folgte der Brandenburgische, Nordische, der Siebenjährige Krieg und schließlich die Befreiungskriege – führten zu Stagnation, Verwüstung und Tod.


Den schlimmsten Tag erlebte die einstige Hauptstadt Pommerns 1713, als sie von den russischen Truppen unter Zar Peter I. als Vergeltung für die schwedische Brandsetzung der Stadt Altona ebenfalls in Schutt und Asche gelegt wurde. Ganze drei Häuser haben den Brand überstanden und nur etwa 50 Einwohner von einst 3000.
Auch folgte ein wirtschaftlicher Tiefschlag für die Stadt dadurch, dass die Insel Usedom Ende des Krieges 1720 an Preußen fiel und nun mit dem Ausbaggern der Swine und Divenow eine eigene Ausfahrt zur Ostsee geschaffen wurden.

Symbol für Bürgerstolz und Wirtschaftskraft der sich entwickelnden Stadt Wolgast war, wie in vielen Städten, das Rathaus. Es wurde im 14. Jh. errichtet, seine ältesten Steine aber stammen schon aus dem 13. Jh. der städtischen Gründungszeit. Reste der gotischen, einst offenen Laubengänge zu beiden Giebelseiten - heute verglast - sind deutlich erkennbar. Aus der Renaissance ist das ursprünglich bemalte, heute beige gehaltene Band im ersten Stock.


Die Fassade des Rathauses verrät ein weiteres Stück seiner Geschichte. Im Schicksalsjahr 1713 wurde Wolgast und damit auch das Rathaus fast völlig zerstört. 1720 - 1724 wieder aufgebaut, trägt es die Spuren des barocken Zeitgeschmackes und präsentiert sich mit den typischen geschwungenen Formen an der Fassade, der Eingangstür mit Griff und Klopfer aus Messing.

Dass Wolgast sich trotz Zerstörung immer wieder erholte, ja nach dem Inferno 1713 wieder neu entstand, liegt wohl an der verkehrsgünstigen Lage. Besonders im 19. Jh. erholte sich die Stadt, blühten Handel und Schiffbau, so dass mit Wolgast um 1880 eine Industriestadt mit etwa 30 Klein- und Mittelbetrieben entstanden war.

Im Zweiten Weltkrieg verschont, jedoch durch die Weltwirtschaftkrise und die Enteignungen zahlreicher Betriebe nach 1945 entblößt, konnte sich die kleine Stadt nur schwer wieder erholen. Größter Betrieb wurde nun die 1948 gegründete Peene-Werft, die auch die politische Wende 1990 überstand und mit dem neuen Eigner, einem Bremer Unternehmer, heute mit rund 800 Arbeitnehmern der wichtigste Betrieb vor Ort ist.

Noch heute zeugen viele Bauwerke von der bewegten Geschichte Wolgasts.
Neben dem Wolgaster Schloss dominierte auch seinerzeit die St. Petri-Kirche
die Silhouette der Stadt. Aus welcher Richtung man sich auch Wolgast näherte, immer blickte man auf den gewaltigen Kirchenbau, jene einstige Hofkirche der Pommernherzöge.
Auf dieser Anhöhe unweit des Peenestroms hatten vermutlich die Slawen ihren Tempel „Gerovit“, dem Schutzgott der slawischen Siedler geweiht.


Die ältesten heute noch erkennbaren Baureste der ersten steinernen Kirche stammen aus dem 13. Jh. und sind durch ein spitzbogiges Portal mit Wulstprofil an der Südwand des Turmraumes erkennbar. Seit 1295 wurde die St.-Petri-Kirche, als einzige Pfarrkirche der Stadt, fürstliche Hofkirche.


Der heutige Bau des sakralen Gebäudes wurde erst in den 70er Jahren des 14. Jh. begonnen und Anfang des 15. Jh. als dreischiffige Basilika fertig gestellt.
Spätestens seit 1415, als der erste pommerscher Fürst, Wartislaw VIII., hier bestattet wurde, diente die St.-Petri-Kirche auch als pommern-herzogliche Begräbnisstätte. Aus dieser Zeit sind die Reste der mittelalterlichen Malereien in den Gewölben und an den Pfeilern des Chorumgangs erhalten. Die Kirche ist mehrfach ausgebrannt. So in den Jahren 1512, 1628, 1713 und am 9. April 1920, als ein Blitz den damals 80 Meter hohen barocken Kirchturm traf. Deshalb besitzt der Turm heute keine barocke Turmhaube mehr sondern nur ein Zeltdach.

Eines der interessantesten Kirchenbauten von Wolgast ist die St.-Gertrud-Kapelle.
Sie zählt zu den besonderen architektonischen Kleinodien Pommerns. Von den ursprünglich über 31 Gertruden Kapellen ist die Wolgaster Kirche heute die einzige ihrer Art in Vorpommern.


Als Nachbildung des heiligen Grabes in Jerusalem wurde die Kapelle auf einer
Mittelsäule mit zwölf Ecken in Backstein ausgeführt. Ein prächtiges Sterngewölbe ziert die Decke des Kirchenraumes.

Bedeutendster Sohn der Stadt ist der 1777 geborene Philipp Otto Runge. Er gilt heute als Begründer der Romantischen Kunst in Deutschland. Sein Geburtshaus, das heute Museum ist, steht in der Nähe des Hafens.


Auch die einstige herzogliche Kanzlei, weitere zwei Kirchen, einige interessante Kaufmannshäuser, die Stadtapotheke, ja sogar ein Bauhausgebäude am Markt und natürlich das Museum „Kaffeemühle“ lohnen den Besuch dieser kleinen Stadt mit bewegter Geschichte.

Wolgast bietet in seiner Umgebung viele Möglichkeiten auf dem Wasser oder in der Natur sich zu betätigen. In einem wunderschönen Wasserrevier kann man auf Angeltouren Fische wie Barsch, Zander; Hecht oder Aal fangen. Wer keine Übung darin hat, kann sich einen Angelführer mieten. Die wasserreiche Gegend ist auch mit dem Kanu erkundbar. Auf Radwegen, zu Pferde, per Kutsche oder zu Fuß kann man die reizvolle Natur erleben. Am Wege gelegen ist ein schöner, in die Natur eingebetteter Tierpark, der mit 48 Tierarten ein lohnendes Ausflugsziel für die ganze Familie darstellt oder der Reiterhof „Weidehof“. Mehr Informationen über einen Aufenthalt in Wolgast, in der Umgebung und auf der Insel Usedom erhält man in der Stadtinformation im historischen Rathaus im Zentrum der Stadt.

 

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